Die Gladbecker SPD hat sich beim Stadtparteitag vom vergangenen Samstag, den 2.April im Gemeindesaal der ev. Petruskirche in Rosenhügel neu aufgestellt. Der scheidende Vorsitzende Jens Bennarend wurde mit stehenden Ovationen verabschiedet. Der neue 26-jährige Vorsitzende Dustin Tix aus Butendorf führte sich mit einer engagierten Vorstellungsrede sehr gut ein. Auch die 28-jährige Nina Krüger aus Rosenhügel zeigte sich in einer fulminanten Rede von ihrer besten Seite. Es war eine gelungene Veranstaltung die in die Zukunft wies und zum Schluss noch eine Überraschung bereit hielt.

Grußworte der örtlichen SPD-Promis

Zunächst wurde der Parteitag traditionell mit Grußworten der örtlichen SPD-Prominenz eröffnet. Dabei ging Bürgermeisterin Bettina Weist in ihrem ausgedehnten Grußwort auf die vielfältigen Erfolge ihrer bisherigen zweijährigen Amtszeit ein. Diese zwei Jahre standen vor dem Hintergrund der Corona-Krise und des derzeitigen Ukraine-Krieges unter nicht allzu guten Vorzeichen. Sie betonte die gemeinsamen politischen Anliegen und Projekte und überraschte mit der Zusage, dass sie die Forderung der SPD-Zweckel für die zukünftige Nutzung des städtischen Sportplatzes an der Dorstener Straße (SV-Zweckel) voll unterstütze (Vorschlag: Nutzung als Bürgerpark und Stichwort „Schwammstadt“) und versprach eine breite Bürgerbeteiligung zu dem Thema. Gut so.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Gerdes ging in seinem Grußwort vor allem auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ein und sprach über die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland. Aus seiner Sicht müsste ein drittes Entlastungspaket noch geschnürt werden. Denn die bisherigen Entlastungen brächten beispielweise den Millionen Rentnerinnen und Rentner gar nichts. Hier muss noch eine Entlastung kommen.

Thomas Göddertz und Christin Siebel, beide SPD-Landtagskandidaten, ersterer für Ellinghorst, Schultendorf und Rentfort sowie ganz Bottrop, die zweite für Zweckel, Mitte-Ost, Mitte, Butendorf, Rosenhügel und Brauck sowie Gelsenkirchen-Nord gingen, wie sollte es auch anders sein, auf die Versäumnisse der schwarz-gelben Landesregierung der letzten fünf Jahre ein. Die sind durchaus beachtlich. Weder beim Thema Schule noch beim Thema Verkehr oder beim Ausbau von erneuerbaren Energien ist NRW vorangekommen. Beide spürten bei ihren bisherigen Wahlkampfauftritten durchaus eine Wechselstimmung im Land. Das müsse die SPD nun aufgreifen und bis zur Wahl alles geben um am Ende vorne zu sein.

Bericht des scheidenden Parteivorsitzenden Jens Bennarend

Danach erfolgte der Bericht des scheidenden Stadtverbandsvorsitzenden Jens Bennarend. Dabei wurde er nicht wehmütig, denn er betonte, dass der Übergang auf das neue Team um den Butendorfer Ratsherrn Dustin Tix, sehr geordnet über die Bühne gehen würde. Er blickte auf die Jahre 2008 bis 2022 auch mit sehr viel Stolz zurück. Es sei gelungen, alle Wahlen die in diesem Zeitraum hier vor Ort in Gladbeck stattfanden, für die SPD zu gewinnen. Innerparteilich konstatierte er ein unterschiedliches Tempo z.B. bei der Umsetzung der seinerzeitigen Mitgliederwerbekampagne. Das man Mitglieder werben könne, zeigen die Erfolge im Gladbecker Süden, wo man konsequent auf die Menschen zugegangen sei und sie durch die örtliche Arbeit überzeugt habe. Leider hätten nicht alle Ortsvereine dafür die Kraft gefunden. Auch bei der Übergabe von Verantwortung in jüngere Hände sieht es nicht überall gleich aus. Er dankte dem bisherigen Vorstandsteam für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten 14 Jahre. Der Parteitag dankte ihm mit stehenden Ovationen. Eine kleine Träne konnte Bennarend dabei nicht unterdrücken. Anschließend zeigte das neue Vorstandsteam mit einer Präsentation noch ein paar Bennarend-Impressionen der letzten Jahre.  

Staffelübergabe in jüngere Hände – Der neue Vorsitzende heißt Tix, Dustin Tix!

In seiner sehr engagierten Vorstellungsrede betonte der 26-jährige Butendorfer, dass er seine Aufgabe darin sähe die Gladbecker SPD zusammenzuhalten und für die Zukunft auszurichten. Er setzt dabei auf die seine bisherige gute Zusammenarbeit mit der Bürgermeisterin und auf eine gute Arbeit im Rat und in den Ausschüssen. Er wolle das Sprachrohr der Wählerinnen und Wähler sein. Er lobte die Gladbecker Schullandschaft, die immer wichtiger werde, um das sozialdemokratische Versprechen vom Aufstieg durch Bildung einzulösen. Auch viele andere Themen behielt er im Blick. Die durchaus mitreißende Rede verfehlte ihre Wirkung nicht. Mit 71 von 72 abgegebenen Stimmen wurde er fast einstimmig an die Spitze und zum neuen Hoffnungsträger der Gladbecker SPD gewählt. Wir wünschen ihm alles Gute und eine glückliche Hand dafür. Den Namen Tix, Dustin Tix sollte man sich merken.

Das neue Tix-Team

Das Tix-Team wird mit Nina Krüger aus Rosenhügel als Geschäftsführerin, Verena Gigla aus Mitte als Pressesprecherin und Dennis Neumann aus Rentfort als Bildungsbeauftragter und Uwe Zulauf aus Butendorf als Kassierer komplettiert. Auch diese vier stellten sich mit respektablen Reden vor. Nina Krüger aus Rosenhügel wollen wir an dieser Stelle aber hervorheben. Wen wunderts? Mit der 28-jährigen Gewerkschaftssekretärin haben wir in Rosenhügel einen guten Griff gemacht. Sie ist so sehr engagiert in Fragen der sozialen Gerechtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft, dass wir als Basis da manchmal gar nicht mehr mitkommen. Sie ist engagiert, kompetent, verlässlich und auch sehr menschlich und hilfsbereit. Wir wünschen ihr, dass sie dieses Tempo noch lange beibehalten kann, raten ihr aber auch zu mehr Pausen. Insgesamt erfährt der Vorstand mit diesen fünf Menschen eine deutliche Verjüngung. Wir hoffen, dass sie mit neuem frischem Elan die Stagnation, die in vielen Gladbecker SPD-Ortsvereinen vorherrscht, aufbrechen können. 

Überraschung zum Schluss: Der SPD-Stadtparteitag entzieht Ratsfraktionsvorsitzenden Stimmrecht im Vorstand

Bei der Wahl für den erweiterten Stadtverbandsvorstand zeigte der Stadtparteitag diesmal Rückgrat. Er ließ den derzeit amtierenden Ratsfraktionsvorsitzenden bei der Wahl zum Beisitzer für seinen Ortsverein Ellinghorst deutlich durchfallen. Der zuletzt wegen seiner Äußerungen zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine öffentlich sehr umstrittene 60-jährige Ellinghorster hat damit einen deutlichen Dämpfer erfahren. Die SPD als Stadtpartei traut ihm damit noch nicht einmal mehr zu, ihre Interessen als Beisitzer zu vertreten. Fraglich ist dabei, ob dies als eine Reaktion auf seine umstrittenen Äußerungen zum Ukraine-Krieg zu werten ist, oder auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass er entgegen den Statuten der Gladbecker SPD sich selbst und einen weiteren Mann nominiert hat, anstatt einen quotierten Wahlvorschlag vorzulegen. Letztlich ist er aber dennoch nach den Statuten der Gladbecker SPD, als Fraktionsvorsitzender weiterhin berechtigt, an den Sitzungen des Stadtverbandes mit beratender Stimme teilzunehmen.