Eine Gefahr für unsere Demokratie?

Mitgliederschwund gibt es seit Jahren in fast allen großen Organisationen wie Vereinen, Verbänden, Gewerkschaften und auch in den beiden großen Volksparteien CDU und SPD. Auf den ersten Blick ist dies nicht beunruhigend, aber hinter die Kulissen geblickt, ist es eine gefährliche Entwicklung für unsere Demokratie. Im Grundgesetz Artikel 21 heißt es, dass die Parteien an der Willensbildung des Volkes mitwirken, schon deshalb ist auf sie nicht zu verzichten, denn Parteien müssen die ganze Bandbreite unserer Gesellschaft im Blick haben. Finanzen, Jugend, Kultur, Sport, Soziales, Umwelt, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Wirtschaft – kurz alles, was uns in unserem Leben täglich begegnet.

Es ist gut zu beobachten, wenn Bürgerinitiativen hochpolitisch agieren, aber meistens sehen sie nur ihren klar umrissenen Problembereich. Nach erfolgtem Engagement ziehen sie sich oft ins Private zurück. Bürgerbeteiligung, auch in sogenannten Bürgerforen organisiert, ist eine wesentliche Ergänzung, aber kein vollwertiger Ersatz. Die Fluktuation der Akteure gehört zu diesem „Geschäftsmodell“ dazu. Politik, besonders Kommunalpolitik ist nur dann erfolgreich, wenn über den Tag hinaus gedacht und gehandelt wird. Jede Bürgeridee muss in ein Gesamtkonzept passen, das die genannte Bandbreite unserer Gesellschaft berücksichtigt. Parteien, die sich zur Wahl stellen und so demokratisch legitimiert sind, sind daher unverzichtbar. Bluten sie wegen fehlender Mitglieder aus, wackeln unsere demokratischen Strukturen. Dass Parteien selbst einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben, soll nicht unterschlagen werden. Wer aber will, dass sich wirklich etwas, zum Beispiel vor Ort, bessert, sollte Mitglied in einer demokratischen Partei werden.

Den „treuen Parteisoldaten“, auf den die Volksparteien immer setzen konnten, gibt es heutzutage nicht mehr. Das ist auch gut so. Auch die Parteien brauchen keine Mitglieder die alles, was von „oben“ kommt unreflektiert hinnehmen und ausführen. Von alleine kommt heute aber kaum jemand mehr auf die Idee sich einer Partei anzuschließen.

Ist das überall so? Nein, tatsächlich gibt es auch andere Entwicklungen, die aber schnell wieder verpuffen wenn sie nicht durch stetige Arbeit am Mitglied verfestigt werden. So ist die Rosenhügeler SPD in den letzten acht Jahren ein Paradebeispiel für so eine gegenteilige Entwicklung. Durch die stetige Präsenz vor Ort, durch die Organisation von Begegnungsmöglichkeiten zur Milieupflege und auch durch die Mitarbeit in den örtlichen Netzwerken ist es uns gelungen unsere Mitgliederzahl nicht nur zu stabilisieren sondern sogar zu steigern. Auch während der Pandemie waren wir immer präsent so gut es ging.

Wir haben so seit 2014 sechzig neue Mitglieder aufgenommen. Zieht man die Sterbefälle und sonstige Fluktuationen wie Austritte und Umzüge etc. ab, bleibt unterm Strich ein Plus von rund 20 Mitgliedern. Das sind 20 Menschen mehr als noch im Jahr 2014. Heute hat unser Ortsverein 104 Mitglieder. Alleine im Jahr 2021 haben wir neun neue Mitglieder dazugewonnen. Das ist auch gut so, da die Pandemie uns einige treue Genoss*innen viel zu früh genommen hat. Dieses Ergebnis erzielt man aber nur dadurch, dass man aktiv auf die Menschen zugeht, die z.B. unsere vielfältigen Veranstaltungen besuchen. Sehr wichtig dabei ist die Mitgliederpflege, das heißt, gerade die neuen Mitglieder brauchen und wollen Informationen über das was wir machen, was wir wollen aber auch wogegen wir sind.

Hierzu nutzen wir alle Kanäle der Kommunikation: die örtliche Presse, flächendecke Verteilaktionen im Stadtteil, Mitgliederbriefe, unsere öffentlichen Schaukästen und heutzutage vor allem die sozialen Medien. Bei Letzterem spielen Facebook und unsere Website eine entscheidende Rolle.

Unsere Vorgabe für unsere Funktionäre lautet:

  1. Mitgliederwerbung ist eine ständige Aufgabe
  2. Auf jeder von uns organisierten Veranstaltung wollen wir mindestens ein neues Mitglied werben.
  3. Wir wollen unsere Mitglieder immer gut und zeitnah über kommunalpolitische Entwicklungen, unsere Veranstaltungen und unsere Initiativen informieren.

Herzlichen Dank an Dirk Hartwich für die Anregung zu diesem Beitrag.