Eine Selbstkritik

Duckmäuser sind landläufig Menschen, die keine eigene Meinung haben oder sich nicht trauen, sie zu äußern. Sie bilden in der Gesellschaft die Mehrheit. Die schweigende Mehrheit. Es gibt aber auch die anderen, die sich aktiv einmischen, um Verbesserungsvorschläge zu machen, oder um Kritik an bestehenden Verhältnissen zu üben. Diese sind zwar unverzichtbar, werden aber nicht selten, anfangs nur hinter dem Rücken, später auch öffentlich, abwertend be- und verurteilt. Wer da nicht ganz stark ist, wird sich aus dem gesellschaftspolitischen Leben nach und nach zurückziehen.

Als in der letzten Woche die WAZ meldete, dass alle Parteien im Stadtrat sehr zufrieden mit der Arbeit unserer Bürgermeisterin sind, erwachte spontan der Wunsch, das kritisch zu kommentieren. Dem Zeitungsbericht zufolge sei nämlich auch die AfD im Großen und Ganzen zufrieden mit der Arbeit der Bürgermeisterin und das stimmte mich sehr nachdenklich und bestätigte letztlich mein Denken:  Als oberste Politikerin in unserer Stadt und als Sozialdemokratin sollte man vermeiden den Eindruck zu erwecken so unpolitisch zu sein, dass man selbst von den Rechtsextremisten dafür ein Lob bekommt. Doch STOP. Da war sie plötzlich – die Schere im Kopf. Halt dich zurück. Als Sozialdemokrat wird dir das innerparteilich sicherlich keine Sympathien sondern viel Ärger einbringen. Also tief durchatmen und das Gedachte runterschlucken.

Erleichtert war ich aber als ich las, dass der Autor des WAZ-Kommentars dies wohl auch so empfindet und das es ein Ehepaar gibt, dass einen Tag später in einem Leserbrief (WAZ-Gladbeck) das öffentliche Bild unserer Bürgermeisterin auch hinterfragte. Sie hatten die Schere im Kopf beiseitegelegt. Danke dafür.