Brauck | Der Moscheeverein IBG (interkulturelles Bildungszentrum Gladbeck e.V.) möchte ein neues Gebäude auf einem der Stadt gehörenden Grundstück in Brauck errichten. Vormals stand hier die evangelische Pauluskirche. Das vorhandene Gebäude des Vereins an der Breuker Straße ist zu klein geworden. Bei dem Verein handelt es sich übrigens um den ältesten Moscheeverein in Gladbeck.

Seit den 1970iger Jahren ist er an der Breuker Straße beheimatet. Seit Jahrzehnten gibt es dort das Angebot einer Hausaufgabenhilfe bzw. Nachhilfe. Auch Übernachtungen sind für die nachmittags betreuten Kinder möglich. Diese etablierten Angebote sollen zukünftig in einem vom Moscheeverein neu errichteten Gebäude in Brauck an der Roßheidestraße stattfinden. Zu betonen ist dabei, dass es sich ausdrücklich nicht um ein Internat handeln wird. Dies wird aber fälschlicherweise im öffentlichen Diskurs unterstellt. Richtig ist : die Jugendlichen besuchen – wie alle anderen auch – im Rahmen ihrer Schulpflicht eine allgemeinbildende Schule.

Der Verein ist durch den Landschaftsverband Westfalen Lippe als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Der Dachverband des Vereins, der Verband islamischer Kulturzentren (ViKZ), arbeitet seit Jahren in der Islamkonferenz unter Leitung von Bundesinnenminister Seehofer erfolgreich mit. Ende 2019 hat sich der Moscheeverein entschlossen, das städtische Grundstück per Erbpacht zu übernehmen. Seit diesem Zeitpunkt läuft auch ein öffentlicher Diskurs über die Überlassung des städtischen Grundstücks für Zwecke des Moscheevereins IBG. Für Samstag den 28.08.2021 ist nun von der Stadtverwaltung eine Informationsveranstaltung/ Bürgerversammlung im Schulzentrum Brauck geplant. Selbstverständlich werden auch Vertreter*innen der drei südlichen SPD – Ortsvereine Brauck, Rosenhügel und Butendorf aufmerksam an der Bürgerversammlung teilnehmen.

Die Vorsitzenden der südlichen SPD – Ortsvereine Hasan Sahin, Andi Dunkel und Michael Hübner erklären gemeinsam, dass sie volles Verständnis für die kritische Diskussion über das geplante Projekt in der Stadtgesellschaft haben. Auch dürfe es keine schnelle Entscheidung über die Grundstücksvergabe geben. Vielmehr fordern die SPD – Ortsvereine mehr Transparenz und Antworten auf bestehende Fragen. Eindeutig handelt es sich bei dem geplanten Neubau des Moscheevereines um ein außerordentlich anspruchsvolles kommunalpolitisches Thema. Hierbei ist es schwierig, es allen Beteiligten recht zu machen. Gerade deshalb, da es um das dichte Zusammenleben von Kulturen und Religionsgemeinschaften geht, müssen die Menschen transparent mitgenommen werden.

Hasan Sahin, Vorsitzender der Braucker SPD aus eigener Erfahrung dazu: „Die Planung einer muslimischen Bildungseinrichtung auf dem ehemaligen Gelände der ev. Pauluskirche wirft in der Öffentlichkeit Fragen auf, die beantwortet werden müssen um das Vorhaben sachlich zu bewerten. Der IBG leistet seit Jahren gute Arbeit im Bereich der außerschulischen Bildung für Jugendliche muslimischen Glaubens. Ich selbst habe als Jugendlicher Angebote des IBG in Anspruch genommen. Engagiertes Lernen und konsequentes Erledigen von Hausaufgaben hat mich dabei unterstützt, notwendige Abschlüsse zu erwerben, um beruflich erfolgreich zu sein und mich auch der Gesellschaft zugehörig und integriert zu fühlen.“

„Wir hoffen, dass es der Stadtverwaltung und dem Moscheeverein gelingt, das notwendige, grundlegende Vertrauen gegenüber diesem von manchen als fremd empfundenen Projekt zu schaffen. Bisher wurde die Braucker Bevölkerung nicht ausreichend und sachlich über die tatsächliche Arbeit des Vereins aufgeklärt. Ob die Durchführung einer Bürgerversammlung zu dem Thema dazu beiträgt die Diskussion zu versachlichen bleibt abzuwarten. Wir kennen den Verein und die Akteure, die wirklich vorbildliche Arbeit leisten. Das ist aber nicht die entscheidende Frage. Es geht um die Menschen in Gladbeck, die Vertrauen haben müssen und darum, dass Bedenken und Ängste der Menschen ernst genommen werden. Vor allem Transparenz in Bezug auf die gute Jugendarbeit des ältesten Gladbecker Moscheevereins fehlt. Da kaum jemand weiß, was der Verein eigentlich macht, ist das öffentliche Meinungsbild zu der geplanten Einrichtung geprägt von Vermutungen und Unterstellungen, die man durch eine offensivere Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit im Vorfeld des Vorhabens größtenteils hätte ausräumen können“, so die drei Ortsvereinsvorsitzenden Hübner, Sahin und Dunkel.

Folgende Fragen werfen sich aus Sicht der SPD im Gladbecker Süden auf:

  1. Warum wird in der Einrichtung übernachtet?
  2. Warum werden Mädchen und Jungen bei den außerschulischen Förderangeboten getrennt unterrichtet?
  3. Welche Sprache wird während des Förderunterrichts gesprochen?
  4. Wie wird der Neubau und der Betrieb der Bildungseinrichtung finanziert?  Ist es geplant,  öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen?
  5. Ist die Wahl des geplanten Standortes auf dem ehemaligen Gelände der ev. Pauluskirche wirklich gut durchdacht worden?
  6. Gibt es Beispiele für solche Bildungseinrichtungen aus anderen Städten?

„Diese Fragen müssen öffentlich beantwortet werden um Transparenz zu schaffen. Ansonsten bleiben die Brauckerinnen und Braucker irritiert und verunsichert zurück“, so die drei SPD-Vorsitzenden übereinstimmend.