Politisches Fingerspitzengefühl
Ein Standpunkt von Jürgen Zernfeld
Zum WAZ-Bericht: Israel-Flagge am Rathaus hissen.
„Zuerst einmal mein Kompliment an das politische Fingerspitzengefühl unserer Bürgermeisterin Bettina Weist, der Forderung der Jungen Union Gladbeck, die israelische Nationalflagge an öffentlichen Gebäuden zu hissen, diplomatisch eine Absage erteilt zu haben. Ein Zeichen der Solidarität mit dem Staate Israel beinhaltet auch das brisante Vorgehen gegen die arabisch-stämmigen Bürger und wäre eine Provokation gegen die Mitbürger mit Herkunft aus den arabischen Gebieten gewesen.
Einerseits steht die uneingeschränkte Solidarität der Gladbecker Bürgerschaft mit unseren Mitbewohnern jüdischen Glaubens und die Ablehnung jeder Form von Antisemitismus und Schändung von Synagogen. Die Problematik, die seit der Besetzung Ost-Jerusalems durch die Armee des Staates Israel eskalierte und in weiteren Maßnahmen, wie der Siedlungspolitik, fortgeführt wird, gilt es jedoch kritischer zu beurteilen. Der jahrzehntelange Konflikt im Nahen Osten zwischen Einwohnern Israels mit jüdischer und arabischer Kultur ist zu komplex, um sich hier bedenkenlos auf die Seite einer der Parteien stellen zu können.
Dem Bewusstsein des deutschen Staates und des deutschen Volkes um die historische Verantwortung der Täterschaft des Holocausts gebührt großer Respekt und Demut gegenüber den Opfern der Nazidiktatur. Darüber sollte jedoch auch nicht die Schuld verkannt werden, die der Staat Israel an den Palästinensern auf sich geladen hat. Den Herren Ernst und Krügerke aus den Vorstandsreihen der Jungen Union sei hier geraten, ihr politisch historisches Wissen betreffend des Nahostkonflikts zu verbessern, um in Zukunft das gleiche politische Fingerspitzengefühl zu beweisen wie Bettina Weist.“
von Hans-Jürgen Zernfeld zur Veröffentlichung freigegeben
