„Nicht alles ist Gold was glänzt. Aber sehr häufig doch. Lernen wir es zu schätzen“

In der WAZ-Umfrage des letzten Jahres belegte Rosenhügel einen Platz in der oberen Hälfte des Gladbecker Stadtteil-Rankings. Erfreut war ich über die gute Note für den Einsatz der Kommunalpolitiker*innen für den Stadtteil, die uns den 2.Platz in dieser Kategorie brachte. Insgesamt scheint sich die große Mehrheit der Rosenhügeler Bürger*innen hier wohlzufühlen.

Wer mit offenen Augen durch Rosenhügel spazieren geht dem wird auch deutlich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Aber sehr häufig doch. Bei einem Spaziergang durch Rosenhügel von der Otto-Hue-Straße weiter über Am Echstekamp und Holthauser Straße bis zur Rosenstraße und dann durch den Schulte-Berge-Park, über die Vehrenbergstraße und Hunsrück-/ Hügelstraße, am Markt vorbei und über die Münsterländer-/ Vehrenbergstraße zurück zum Ausgangspunkt zeigt mir, wie unterschiedlich die Facetten der Wohn- und Lebensverhältnisse in unserem Stadtteil sind.

Otto-Hue-Straße / Am Echstekamp

Das erste was mir hier auffällt ist der erbärmliche Zustand der Otto-Hue-Straße zwischen Büskenweg und Blindschacht. Die Initiative von Peter Schiering als Siedlerringvorsitzender, deswegen die Verantwortlichen aus Gelsenkirchen und Gladbeck anzuschreiben und um die Instandsetzung der Fahrbahn zu bitten, war überfällig. Die Unterstützung aller ist ihm dabei gewiss. Gut ist, das die Mehrfamilienhäuser am Echstekamp saniert wurden und die Wohnungen bezogen sind. Wenn man an der Ruine der alten Gaststätte „Am Anger“ und des Lebensmittelgeschäftes „Kost“ vorbeiflaniert wird einem klar, dass es in Rosenhügel keine einzige Kneipe oder Gaststätte mehr gibt. Zurzeit werden die Überbleibsel entkernt, abgerissen und einer Neubebauung zugeführt.    

Holthauser Straße/ Rosenstraße

Geht man die Holthauser Straße hoch, vorbei an den alten Zechenhäusern in Richtung Rosenstraße fällt die nächste Bauruine ins Auge. Der alte Kiosk gegenüber der Haltestelle Taunusstraße steht schon seit Jahren leer. Die Frage drängt sich auf: Wann wird sich hier etwas tun? Auch hier wird es demnächst, nach Meinung vieler Anwohner, eine Bebauung mit einigen Reihenhäusern geben. Man hört so einiges wenn man mit dem einen oder anderen Hundehalter ins Gespräch kommt. Weiter oben, kurz vor der Rosenstraße, sieht man, dass aus der alten Gaststätte Büscher (später Haus Burg) Wohnungen entstanden sind. Eine Umnutzung als Pizzeria hat auch schon vor Corona nicht funktioniert. Wenn man in die Rosenstraße links einbiegt kommt man zur Siedlung Am Bergerot. Das ist eine Gladbecker Enklave, die nur über Gelsenkirchen zugänglich ist. Geht man die Rosenstraße rechts kommt man zum Kärntner Ring: Der Verkehrsknotenpunkt für uns Rosenhügeler*innen. Von hier aus fährt die Straßenbahn in Richtung Gelsenkirchen-Buer oder Gelsenkirchen-Mitte und ab Buerer Straße in Horst fährt die Bahn in Richtung Essen. So kann man als Rosenhügeler*in ohne Stress mit Bus und Bahn in einer guten halben Stunde in Essen oder Gelsenkirchen am Hauptbahnhof sein. Wir haben eine gute Anbindung, die besser und schneller ist, als über die Bahnhöfe Gladbeck-Ost oder West.

Schulte-Berge-Park und Vehrenbergstraße

Ich wende und biege gegenüber der alten Gaststätte Büscher links in die Obstbaumallee zum „Schulte-Berge-Park“ ab. Die Obstbäume die hier rechts und links des Weges stehen, sind größtenteils auf Spenden von Verbänden und Vereinen und von Einzelpersonen zurückzuführen. Mindestens zehn dieser Obstbäume sind auf Initiative des SPD-Ortsvereins gepflanzt worden. Im Schulte-Berge-Park selbst, fällt mir jetzt, wo das Grün gerade erst anfängt zu sprießen, die Vermüllung der Grünanlage auf. Hier leere Flaschen, dort Plastiktüten oder leere Getränkedosen. Manche Zeitgenossen haben den Begriff „Umweltschutz“ noch nicht wirklich begriffen. Dabei stehen allenthalben Mülleimer neben den Parkbänken, die nur halb voll sind. Ich gehe weiter durch den Park zur Vehrenbergstraße und komme an den sogenannten „Beamtenhäusern“ der ehemaligen Gelsenberg- AG aus. Sehr schöne große Häuser mit großen Grundstücken, die einst für die leitenden Mitarbeiter der Raffinerie in Horst (heute BP) in den dreißiger Jahren gebaut wurden. Die meisten sind von den heutigen Eigentümern schon richtig schick saniert worden. Weiter geht’s die Vehrenbergstraße entlang in Richtung Petruskirche. Kurz vorher treffe ich an der Ecke Rostocker auf die Statue „sitzendes Mädchen“. Ein schönes Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum. Leider ist das Drumherum etwas heruntergekommen. Hier hat der SPD-Ortsverein schon die Initiative ergriffen um gemeinsam mit dem Eigentümer Abhilfe zu leisten. Ich gehe weiter auf die Petruskirche zu. Sie ist die letzte evangelische Kirche im Stadtsüden, die zusammen mit der evangelischen Jugendeinrichtung Teestube Rosenhügel und dem Gemeindehaus mitsamt dem großen Gemeindesaal das Zentrum des protestantischen Gemeindelebens in Rosenhügel und Brauck bildet. Die Kirche selbst ist als Baudenkmal beispielgebend für Sakralbauten der fünfziger und sechziger Jahre. Mit vielen der Menschen, die hier meistens ehrenamtlich ihr Werk tun, habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Beispielsweise bei der Organisation des alljährlichen Rosenhügeler Adventsmarktes. Die Gemeinde ist eine Bereicherung für das kulturelle- und geistige Leben in Rosenhügel. Ohne die Gemeinde würde etwas fehlen.

Hunsrück-/ Hügelstraße

An der Ecke Hunsrückstraße biege ich ab und gehe am Abenteuerspielplatz und Bolzplatz, die zu meiner linken Hand liegen, vorbei. Der Spielplatz ist voll mit Kindern und Jugendlichen. Vielleicht besteht deshalb auch hier das leidige Müllproblem? Nach dem Spielplatz komme ich in das „proletarische Viertel“ des Rosenhügels: Hunsrück-/ Hügel-/ Märker-/ Kieler- und Bremer Straße. Mit dem Bau der Mehrfamilienhäuser ist größtenteils in den dreißiger Jahren begonnen worden. Meine Großeltern haben auf der Kieler Straße 2 gewohnt. Das Quartier ist heute durch den hohen Anteil an Migranten geprägt. Kleine Wohnungen zu günstigen Preisen – in der Vergangenheit aber oft in einem erbärmlichen Zustand. Aber auch hier tut sich was. Die Vonovia hat auf der Bremer- und Kieler Straße die Häuser saniert und jede Wohnung erhielt einen Balkon. Sieht toll aus. Ich hoffe, dass die anderen Straßen noch folgen. Außerdem gehört zu jeder Wohnung ein kleines Gartengrundstück auf der Hofseite. Die Vonovia spart sich so die Pflege der Grünanlagen und die Bewohner*innen haben einen eigenen kleinen Garten, einen sogenannten „Mietergarten“.

Marktplatz und Münsterländerstraße

Ich biege von der Hunsrückstraße rechts in die Hügelstraße und laufe auf den Rosenhügeler Markt zu. Hier liegt das „Versorgungszentrum“ des Rosenhügels. Den Discounter Netto mit Bäckerei kenne ich vom täglichen Einkauf. Unweit davon, etwa 100 Meter links liegt an der Horster Straße der neue Penny-Markt, weitere 300 Meter nördlich ist der große REWE-Markt und der DM-Markt ansässig. Das ist ein Zustand von dem wir Rosenhügeler noch vor sechs Jahren nur träumen konnten. Leider hat dieses „Überangebot“ dazu geführt, dass der Wochenmarkt zu einem Schatten seiner selbst geworden ist. Gerade mal noch drei bis vier Markthändler, je nach Wetterlage, sind hier mittwochs und freitags vormittags anzutreffen. Schade. Mal sehen, ob sich der Markt hier noch lange halten kann. Ich gehe weiter rechts die Münsterländerstraße hoch an der Grundschule vorbei und zurück zur Vehrenbergstraße. Seit der Zusammenlegung der ehemals drei Grundschulen an diesem Standort, heißt sie jetzt Südparkschule. Unwillkürlich denke ich an die Cartoon-Serie “Southpark” aus dem TV. Ich schaue auf den Schulhof und halte nach dem Jungen ohne Gesicht Ausschau, dem kleinen Timmi. Ich muss mit dem Kopf schütteln, denn von “Southpark” sind wir hier noch weit entfernt. Wer hat sich bloß diesen Namen einfallen lassen? Das muss ein Scherz sein.

Vehrenbergstraße und zurück zur Otto-Hue-Straße

Ich quere die Vehrenbergstraße und gehe links an dem Kiosk vorbei, bei dem ich bereits als Kind etwas zum „schnuckern“ gekauft habe. Ich denke an die „Leck-Muscheln“ oder an die spitzen Lakritz-Lollies. Links und rechts vor mir, an der Einmündung Otto-Hue-Straße liegt die Kleingartenanlage “Am Rosenhügel”. In “Nicht-Corona-Zeiten” ein beliebter Treffpunkt für die Rosenhügeler*innen. Denn hier findet man noch die “Ruhrpott-Gemütlichkeit” im Vereinsheim der Kleingartenanlage. Hier ist Nora Schiller die Chefin. Nach Feierabend kann man dort ein oder mehrere Bierchen genießen. Das ist besonders schön im Sommer, draußen auf der Terrasse. Nach etwa 100 Metern biege ich wieder in die Otto-Hue-Straße ein und gehe in Richtung heimatliche Gefilde am Baugebiet „Am alten Sportplatz“ vorbei. Naja, über Geschmack lässt sich streiten. Hier hat der Bauträger aus dem Platzangebot rausgeholt was rauszuholen war. Es steht Haus an Haus – in winzigen Abständen. Die Mehr- und Einfamilienhäuser sind nach dem Motto quadratisch-praktisch-gut gebaut worden. Vielleicht sieht es besser aus, wenn die Gärten und Vorgärten erstmal begrünt sind. Ansonsten ist diese Art zu wohnen, es tut mir leid das sagen zu müssen, nicht mein Fall.

Mein Stadtteil-Spaziergang endet mit der Erkenntnis: ich habe viele schöne Ecken gesehen, die Augen aber nicht vor Defiziten bei Bebauung und Begrünung verschließen können. Ich genieße noch den Resttag und nehme mir vor, Rosenhügel vor Versuchen der “Überplanung”, zu beschützen. Ob mir das gelingen kann? Einen Versuch ist es allemal wert.

Herzlichen Dank an Dirk Hartwich aus Rhade, der mir die Anregung gab, den Spaziergang in Worte zu fassen.