ein Kommentar von Andi
Geht es euch wie mir? Diese Pandemie hängt mir echt zum Hals raus. Nicht wegen der vielen Alltags- Einschränkungen. Nein, nicht deshalb.
Mir hängt es zum Hals raus, weil ich mittlerweile nicht mehr weiß, wie wahrscheinlich viele, welche Einschränkungen ab wann gelten und wo sie gelten. Diese vielstimmige chaotische Kakophonie, die aus allen Rohren der medialen Landschaft auf uns alle geschossen wird, geht mir nur noch auf den Geist. Noch schlimmer ist aber, dass man gegenüber den täglichen Meldungen z.B. zu Todeszahlen allmählich abstumpft. Die Toten werden einem egal – sie sind nur noch Zahlen. Aber hinter jeder einzelnen Zahl steckt ein menschliches Schicksal. Das muss man sich jeden Tag vergegenwärtigen.
Immer deutlicher zeigt sich für mich, dass unser föderaler Staatsaufbau in Notzeiten so seine Schwächen hat. Vor allem sieht man jetzt, wie schwerfällig unser Staatsapparat ist und was in den letzten Jahren kaputtgespart wurde. Das für so wichtige Bereiche wie das gesamte Schulwesen und die Gesundheitsvorsorge die Zuständigkeit ausschließlich bei den Bundesländern liegt, halte ich mittlerweile für einen Anachronismus. Nach der Pandemie muss sich die Politik ernsthaft Gedanken machen, um hier Verantwortlichkeiten zu verschieben.
Sehr ernüchternd finde ich, dass scheinbar niemand mehr Verantwortung übernehmen will. Jede staatliche Ebene gibt die Verantwortung an eine andere staatliche Ebene weiter. Frei nach dem Bürokratenmotto: „Hauptsache ich habe meinen Arsch an der Wand“. Und das zieht sich von der Bundesebene bis hinunter in die Kommunen. Überforderungen einzelner Politiker kommen dabei klar zum Vorschein. So kann die Bekämpfung einer Pandemie nicht wirklich funktionieren. Eine einheitliche strategische Bekämpfung ist für einen Normalbürger wie mich, nicht zu erkennen. Es wird Zeit, dass die Landesfürsten, ob Lockerungs-Laschet oder Verschärfungs-Söder, ihre peinlichen Egotrips zu Gunsten einer einheitlichen Linie zurücknehmen. Wir alle bitten darum.
Froh bin ich allerdings aber, dass der Zusammenhalt vor Ort, in den Quartieren und Stadtteilen immer noch gut funktioniert. Zumindest hier in meinem Quartier – hier in Rosenhügel. In Notzeiten sollte man sich besser auf Freunde, Bekannte und Nachbarn verlassen. Ich bin froh das ich das kann. Ob Mittagstisch, Alltagshilfen oder Sorgentelefon – die Nachbarschaftshilfe Rosenhügel ist der Beweis für gelebte Solidarität.
