Der 9. November ist kein Tag wie jeder andere. Der 9. November ist unauslöschlich mit der Reichsprogromnacht im Jahre 1938 verbunden. Vor dem Grauen, welches an diesem Tag und der sich anschließenden Nacht im Jahre 1938 seinen ersten entsetzlichen Höhepunkt fand, fällt es schwer gleichzeitig an diesem Tag zugleich der Freude Ausdruck zu geben, die das Ausrufen der Weimarer Republik im Jahre 1918 und der Fall der Mauer im Jahre 1989 ausgelöst haben. Die Ereignisse im Jahre 1938 sowie das Wissen um die Jahre danach bis zum 8. Mai 1945 lassen es zwingend geboten sein, sich diese in Erinnerung zu rufen.
Die damaligen Ereignisse spielten sich vor den Augen aller Bürgerinnen und Bürger ab, ohne dass nennenswert dagegen aufbegehrt oder gar eingeschritten wurde. Daraus haben wir lernen müssen: Passivität heißt auch Mitverantwortung.
In den fast 80 Jahren seither wurde von den wenigen Überlebenden des Holocaust mit viel Mut und Zuversicht neues jüdisches Leben in Deutschland aufgebaut. Leider müssen wir aber feststellen, dass die überwunden geglaubten menschenverachtenden Ideologien wieder auf fruchtbaren Boden treffen und sich rechtsextremes Gedankengut in vielen Bereichen der Gesellschaft – sei es in der Politik, in der Kultur, im Journalismus, im Sport oder im Alltag rasant verbreitet. Es stimmt was Adorno bereits vor Jahrzehnten gesagt hat: „Wir müssen uns nicht vor der Rückkehr der Nazis in der Maske der Nazis fürchten, sondern vor der Rückkehr der Nazis in der Maske der Demokraten.“ Wir sehen heute wie richtig er damit lag.
Die Gladbecker SPD bekennt sich deshalb zur Tradition von Otto Wels und anderen Sozialdemokratinnen und -demokraten, die damals nationalsozialistischer Ideologie die Stirn geboten haben, und ruft auch weiterhin zum Widerstand gegen alle auf, die Rassismus und Antisemitismus verbreiten.
Wir begrüßen und unterstützen alle Bemühungen die offensiv und nachdrücklich gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus vorgehen. Die lebendige Gladbecker Erinnerungskultur ist insgesamt ein gutes Beispiel dafür. Allen Gladbecker Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen, die sich daran beteiligen, gebührt der Dank für ihre permanente Erinnerungsarbeit.
Uns bleibt der 9. November Mahnung und Verpflichtung zugleich – für immer.
