Parteien verlieren weiter Mitglieder – alarmierende Entwicklung? Die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist „querbeet“ durch alle Parteien stark rückläufig. Viele Versuche der letzten Jahre neue Mitglieder in größerer Anzahl zu gewinnen, sind gescheitert. Eine neueste Untersuchung der FU Berlin belegt dies mit dramatischen Zahlen. Manche Parteien befinden sich auf örtlicher Ebene in einer existenziellen Krise. Seit 1990 haben bundesweit 79% der Mitglieder der Linkspartei, 68% der FDP, 53% der SPD, 44% der CDU und 23% der CSU den Rücken gekehrt. Die Gründe sind hierfür sehr verschieden:
Die Änderung des Arbeiter- und Katholikenmilieus (geringere Bindung an eine Partei), die wachsende Bedeutung von Bürgerinitiativen und Nichtregierungsorganisationen, die gesellschaftliche Veränderungen (Demografie), der fehlende öffentliche Respekt gegenüber Politikern und Parteien (Draufhauen geht ja immer) und umstrittene politische Entscheidungen (z.B. Agenda 2010) machen die Parteiarbeit vor Ort sehr schwer.
Die Auswirkungen des Mitgliederschwunds spüren alle Parteien – auch in Gladbeck. Wirklich alle? Nicht ganz. Die SPD im Gladbecker Süden hat diese Entwicklung seit gut vier Jahren gestoppt. So haben die Sozialdemokraten der Gladbecker Ortsvereine Brauck, Butendorf und Rosenhügel, genauso viele Mitglieder wie in 2012 – insgesamt gut 400 Mitglieder (davon in Brauck gut die Hälfte und in Butendorf und Rosenhügel je ein Viertel) Wie ist das zu erklären?
„Nun, man muss eben Gas geben“, so der Vorsitzende der Rosenhügeler SPD, Andi Dunkel und weiter erklärt er: “Wir haben uns das Ziel gesetzt und als stetige Aufgabe vorgenommen unsere Mitgliederzahlen zu halten und wenn es geht zu erhöhen. Dazu ist aber immer sehr viel Engagement nötig – vor allem von unseren FunktionärInnen und MandatsträgerInnen. Man muss immer am Ball bleiben, die wichtigen Themen erkennen und aufgreifen, aber auch vor Ort präsent und ansprechbar sein – und immer ein Aufnahmeformular griffbereit haben. Die Menschen möchten nämlich gefragt werden ob sie beitreten wollen. Abwarten das jemand von alleine zu uns kommt bringt nichts. Hinzu kommt das wir immer wieder attraktive Veranstaltungsformen finden, die die BürgerInnen ansprechen. Dabei spielt aber auch eine gute Werbe- und Pressearbeit eine große Rolle. Die Menschen müssen auch wissen wofür wir stehen und was wir tun. Das hat auch etwas mit Transparenz zu tun. Wir in Rosenhügel haben mit unseren Veranstaltungen sehr großen Erfolg bei den BürgerInnen. So erreichen wir mit unseren Veranstaltungen, grob geschätzt, rd. 600 bis 800 Menschen jährlich. Die Braucker und die Butendorfer Genossinnen und Genossen arbeiten da ganz ähnlich. Die Menschen werden vor allem wegen unserer guten Arbeit vor Ort Mitglied bei uns und wenn Austritte zu verzeichnen sind, dann meist wegen der Bundespolitik.
Diese kommt aber sehr verkürzt und dadurch oft verfälscht bei den Menschen an. In letzter Zeit spüren wir aber auch Gegenwind. Mit dem Erstarken von neuem und altem rechtsextremen Gedankengut haben auch wir zu kämpfen. Ein „Weiter so“ wie bisher ist deshalb auf Dauer nicht zielführend. Wir müssen noch mehr in die Diskussion gehen, Probleme offen ansprechen und uns den BürgerInnen stellen – ohne Scheuklappen und ohne parteipolitischen Selbstbetrug um für unser Ziel einer solidarischen Gesellschaft der Freien und Gleichen zu werben.“


