Sowohl vor dem Hintergrund aktueller kriegerischer Auseinandersetzungen im Nahen Osten und in der Ukraine als auch vor dem Hintergrund eines drohenden Genozids an Jesiden, Christen und Andersgläubigen im Irak, will der SPD-Ortsverein Rosenhügel an die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen die auf dem Braucker Friedhof beigesetzt sind, erinnern.
„Dies wollen wir mit einer kleinen Gedenkfeier für diese Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Rassismus und Fanatismus am Antikriegstag, dem 1.September um 15:00 Uhr am Ehrengrabfeld auf dem Braucker Friedhof, tun. Die Erinnerung an die Vergessenen muss wachgehalten werden, damit Deutschland heute seiner Verantwortung in der Welt gerecht werden kann – und deshalb muss auch dem menschenverachtenden Terror des IS im Irak und in Syrien, auch mit deutscher Hilfe, eingehalt geboten werden. Wenn die Alliierten des 2.Weltkrieges Hitlerdeutschland nicht mit Waffengewalt entgegengetreten wären, hätten noch mehr unschuldige Menschen in den Lagern den Tod gefunden“, so der Vorsitzende der Rosenhügeler SPD, Andreas Dunkel.
Dunkel führt dazu aus: „Auf dem Braucker Friedhof sind Menschen aus vielen europäischen Ländern, die während der NS-Zeit hier in Gladbeck als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, auf dem Ehrengrabfeld beigesetzt. Die brutale Zwangsarbeit in der Nazi-Zeit ist in der europäischen Geschichte beispiellos. Als Zwangsarbeiter wurden ausländische Zivilisten, Kriegsgefangene, Juden, Sinti und Roma und KZ-Häftlinge eingesetzt. Einige hundert von ihnen haben hier in Gladbeck gelebt und hier in Gladbeck-Brauck sind 215 von ihnen beerdigt. Ihre Lebensbedingungen waren durch sklavereiartige Ausbeutung – ohne jeden Lohn und ohne Rechte gekennzeichnet. Je niedriger ihr rassischer oder ihr politischer Status vom NS-Regime eingeschätzt wurde, desto mehr waren sie der Willkür ausgeliefert. Die Menschen sollten durch Arbeit ver-nichtet werden. Ihre unzureichende, nährstoffarme und qualitativ schlechte Ernährung führte vielfach dazu, dass sie, nach einem oft über zehnstündigen Arbeitstag, einfach zusammenbrachen um anschließend elendig zu sterben. Ihre geschwächten Körper waren anfällig für Krankheiten wie Tuberkulose. Untergebracht waren die meisten im Barackenlager. Hier fehlte es an jeglicher Art von Privatsphäre. Sie lebten in beengten Stuben mit doppelstöckigen Pritschen. Ab 1942 verschlechterten die Bombenangriffe ihre Lebensbedingungen – viele kamen auch dabei um. Die Betreiber der Lager waren in der Regel Unternehmen – hier bei uns zumeist die Bergwerke. Für ganz Deutschland ist von einer fünfstelligen Zahl solcher Lager auszugehen, die bisweilen bis zu 5 000 Personen fassten.“
Zwangsarbeiter gehörten zum Alltagsbild: auf dem Land als Erntehelfer und Knechte, in der Stadt, in der Fabrik, im Bergwerk und auf der Straße. Nahezu jedes Unternehmen beschäftigte Zwangsarbeiter, vom Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern. Auch öffentliche Einrichtungen, die Reichsbahn, selbst religiöse Einrichtungen und Privathaushalte setzten Zwangsarbeiter ein. In aller Regel haben Unternehmen bereitwillig und gerne auf das Reservoir der zwangsrekrutierten Arbeitskräfte zurückgegriffen um die Wirtschaft in Gang zu halten. Durch den Einsatz von Zwangsarbeitern wurde der Krieg bis Mai 1945 erst ermöglicht.
Dunkel abschließend: „Auch hier bei uns in Gladbeck gab es für jedermann sichtbar Zwangsarbeiter. Sie wurden größtenteils in den Bergwerken zur Zwangsarbeit herangeholt. Verbrechen gegen die Menschlichkeit waren auch hier bei uns an der Tagesordnung. Viele von ihnen überlebten nicht. 215 fanden Ihre letzte Ruhestätte auf dem Braucker Friedhof. Wir wollen mit der Gedenkstunde an sie erinnern: als Mahnung für gegenwärtige und zukünftige Generationen. Wir laden dazu alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein.“
